Über sauheiße und eiskalte Busfahrten

Wir lernten ziemlich schnell, dass sich Busfahrten in Südamerika in einigen Punkten von denen in Österreich unterscheiden.

Punkt 1 – der Fahrplan

Bis heute haben wir noch nicht herausgefunden, ob die manchmal vorhandenen Fahrpläne nur der Dekoration dienen und die Busfahrer selber entscheiden, wann sie Lust haben die Fahrt anzutreten oder ob die Verspätung die Folge von technischen Problemen am Fahrzeug ist.

Warscheinlich ist es eine gute Mischung aus beiden Faktoren. Wir sahen sowohl Busfahrer nach Abfahrtszeit gemütlich am Steuer chillen als auch einige Buspannen. Was wir aber schon herausgefunden haben ist, dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn der Bus nach einer Stunde Verspätung erst um die Ecke biegt und der Busfahrer selbst dann noch keine Anstalten macht schnell weiterzukommen. Alles mit der Ruhe ist die Devise. Stress scheint hier ein Fremdwort zusein.

Punkt 2 – der Zustand des Vehikels außen

Schon aus weiter Ferne erkennt man, dass die besten Tage des Fahrzeugs vorüber sind. Repariert wird provisorisch. Solange das Gefährt irgendwie funktioniert wird es benutzt. Würde man das österreichische „Pickerl“ einführen, wären die Straßen in Südamerika von einem Tag auf den anderen ziemlich leer.

Punkt 3 – der Zustand des Vehikels innen

Oft deckt sich der Eindruck von außen mit dem von innen. Manchmal trügt der Schein von außen jedoch. Einmal durften wir eine Fahrt in einem Full-Cama Bus genießen der außen nicht von den anderen Bussen unterschied. Breite Sitze, mit denen man sich fast vollständig in die Waagrechte begeben konnte. Sehr gemütlich!

Punkt 4 – der Fahrstil

Tja, sieht man die Dellen, Kratzer, die zerbrochenen Scheinwerfer und sonstige fehlende Autoteile außen, weiß man spätestens, wenn sich der Bus in Bewegung setzt, wie diese zustande kamen. Fahrstreifen werden selten beachtet und die Straßenfläche wird bis auf den letzten Millimeter genützt. Denkt man, dass der Bus schon sehr knapp neben einem Auto fährt, glaubt man seinen Augen kaum wenn sich aufeinmal noch ein Motorrad oder Moped dazwischenquetscht.

Einmal beobachteten wir wie zwei Mopeds an einer Kreuzung ineinanderkrachten. Beide Fahrer lagen auf der Straße, Fahrzeuge verkeilt und Flüssigkeit leif aus einem der Mopeds. Beide Personen standen auf, verschafften sich einen schnellen Überblick über die Situation und stellten scheinbar fest dass an beiden Fahrzeugen gleich viel Schaden entstanden war, denn darauf folgte ein Handschlag, beide stiegen auf ihr demoliertes Moped und fuhren davon. Keine Polizei, kein Nummernaustausch,… ist ja sonst nichts passiert

Punkt 5 – die Straßenbeschaffenheit

Es gibt asphaltierte Straßen in Südamerika, aber nicht überall. Außerdem ist asphaltiert nicht gleich asphaltiert. Das heißt, machmal kann man allein vom Fahrgefühl her nicht feststellen ob man sich auf einer befestigten Straße befindet oder nicht. Meiner Erfahrung nach beeinflusst aber die Straßenbeschaffenheit den Fahrstil kaum. Festhalten ist sicherlich keine schlechte Idee, wenn man verhindern will, dass man beim nächsten Schlagloch aus dem Sitz katapultiert wird.

Am Weg von Santa Cruz de la Sierra nach Surce unterzogen wir uns einer 14-stündigen Horror-Busfahrt. Es rumplete die gesamte Fahrt durch und der Busfahrer pflegte es sich mit vollgas in die steilen Serpentinenkurven zu legen. Ich krallte mich an Dougs Hand fest und sendete ununterbrochen Stoßgebete nach „oben“. Mein rasant angestiegener Adrenalinspiegel fiel erst nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Im Nachhinein lasen wir in einem Blog, dass diese Busstrecke die schlimmste in Bolivien sein soll und dass sich die meisten deshalb fürs Fliegen entscheiden. Naja, so bin ich einige meiner Nerven frühzeitig losgeworden aber zumindest haben wir uns ein paar Euros gespart.

Punkt 6 – Geräusche während der Fahrt

Durch die oben beschriebenen Komponenten ergeben sich während der Fahrt beunruhigende Geräusche. Geräusche, die einem befürchten lassen, dass der Bus jede Sekunde auseinanderbrechen könnte.

Punkt 7 – die Temperatur

Manchmal ist die Klimaanlage im Bus auf gefühlte -5 Grad eingestellt aber mit ein paar Kleidungsschichten und das – sich mittlerweile als unentbehrlich erwiesene – Multifunktionstuch von Mama ist es meistens halbwegs auszuhalten. Oder aber die Klimaanlage funtkioniert gar nicht und die Hitze bringt alle Insassen so zum Schwitzen, dass sich der Bus inerhalb kürzester Zeit in eine Dampfsauna verwandelt. Öffnet man das Fenster um Frischluft reinzulassen kann es gut sein, dass man im nächsten Moment von einer Staubwolke überrascht wird, die den gesamten Bus vernebelt und Doug einen Niesanfall beschert.

Letztens haben wir uns die Frage gestellt, ob es wohl besser sei im Bus zu erfrieren oder zu verdampfen. Wir sind uns jedoch nicht ganz einig. Da wir vor der Busfahrt aber sowiso nicht gefragt werden, was wir bevorzugen ists ja auch egal. Der Überraschungseffekt bleibt somit gewiss.

7 Comments on “Über sauheiße und eiskalte Busfahrten

  1. Hallo ihr beiden! Na das hört sich ja alles wie ein Abenteuer vom Feinsten an viel Spaß noch und alles, alles Gute. Bei uns geht es nicht ganz so wild zu. Aber nächste Woche starten wir unsere kleine Österreich Rundreise mit wandern, biken etc für 2 Woche – wir freuen uns schon. Flachau-Leogang-Innsbruck und zum Abschluss noch Velden – freu mich schon wieder auf den nächsten Bericht Lg aus der Heimat

    • Hallo! Schön, dass ihr unseren Blog verfolgt. Auf der Stonytrails-Facebookseite gibts noch mehr Updates und Fotos zu sehen. 🙂 Wir wünschen euch eine schöne Zeit in Österreichs wunderschöner Natur. Liebe Grüße aus Uyuni/Bolivien

  2. Hallo ihr Lieben, mit viel Neugierde und Spannung haben wir gerade euren Blog zum ersten Mal durchstöbert! Wow, echt ziemlich cool was du hier aufbaust 🙂 Und beim Thema Busfahrten können wir natürlich total mitfühlen 😀 Wir fliegen leider morgen schon nach Hause und verbringen aktuell unseren letzten Abend in Sao Paulo… Euren Blog werden wir das kommende Jahr gespannt verfolgen und weiterhin üben *ohrkatzlschwuaf* zu sagen! Wir wünschen dir, liebe anna, alles Liebe und Gute zum Geburtstag! Hoffentlich sitzt ihr nicht gerade im Bus 😉 viele liebe grüße! Vera und Lukas

    • Hallo ihr beiden 🙂 Freut mich echt, von euch zu hören und dass ihr an mich denkt. Tatsächlich haben wir im Nachtbus Richtung La Paz in meinen Geburtstag reingefeiert. 😉 Wir wünschen euch noch einen wunderschönen Ausklang eurer Reise in Sao Paulo. Alles Liebe, Anna & Doug

  3. Hallo ihr Beiden! Wir haben heut schon unseren 1.2000m hohen Berg das Griesenkar erklommen Wünschen dir liebe Anna alles, alles Gute zum Geburtstag hoff du bist in einer netten Kneipe und trinkst mit Dough ein gutes Glaserl lg aus Flachau Julian Andrea und Christian

  4. Hallo Anna! So jetzt ist es wieder soweit die Schule und der Hort haben Julian wieder…. irgendwie ist es noch so komisch leer wenn man in den Gruppenraum 2 geht sitzt kein bekanntes Gesicht mehr hinter der Schreibtisch und lächelt freundlich……. Julian ist noch immer a bisserl traurig und verfolgt eure Reise sehr aufmerksam die Fotos sind echt immer ein Hammer. Jetzt ist es beschlossen Julian, Mathias, Jakub, Simon und Samuel kommen zu Hans damit die neue nicht gleich total überfordert wird……. ich wünsch euch noch alles alles Gute und eine tolle Zeit – wir vermissen dich im Hort Andrea und Julian

    • Hallo 🙂
      Es war echt komisch für mich, als ich vor einer Woche auf den Kalender guckte… Der Hort beginnt wieder – ohne mich… ein eigenartiges Gefühl. Ich muss sagen, dass ich schon sehr traurig darüber bin meine Burschen nicht mehr regelmäßig zu sehen. Ich bin mir sicher, dass Hans gut auf die Rasselbande aufpasst 😉 Danke, dass ihr mich immer auf dem Laufenden haltet, ich freu mich immer sehr über jede Nachricht 🙂
      Lieber Julian, dir wünsche ich einen tollen Schulstart. 4. Klasse – Wahnsinn wie die Zeit vergeht! Richte auch den anderen Jungs ganz ganz liebe Grüße von mir aus! LG Anna

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